Nachmittag für Familien in Trauer am 20. Juli 2013 auf der Karlshöhe veranstaltet

Ambulanter Kinderhospizdienst Ludwigsburg
Trauer

Auf dem Rücken der Pferde, liegt das Glück der Erde, …  – was hat das mit Trauer zu tun? Auch wenn sich das nicht auf Anhieb erschließt, so ließen sich doch 8 Familien einladen, die um die Mutter oder den Vater trauern.

Zunächst fanden die Verstorbenen einen Platz in der Mitte; der Rahmen um ein mitgebrachtes Foto wurde aus verschiedenen Materialien und mit unterschiedlichen Gegenständen von jeder Familie individuell gelegt, und so waren sie „mit dabei“, als es auf die Spurensuche ging, was Pferde und Trauer, oder Trauer und Pferde miteinander zu tun haben.

Wir fanden Eigenschaften, wie: Pferde sind gute Zuhörer und kommentieren nichts; sie sind neugierig und kommen unvoreingenommen auf Menschen zu; sie tragen Menschen bedingungslos, nehmen „diese Last“ auf ihre Rücken; sie spiegeln die Gefühle und die Stimmungen der Menschen, sie können Kamerad sein und haben doch auch viel Kraft, können sich aufbäumen, die Zügel aus der Hand nehmen, …

AusruhenPferde haben Eigenschaften, die trauernde Menschen suchen und ihnen gut tun; und was die Gefühle Trauernder anbelangt, finden wir sie durchaus auch im Zusammenhang mit Pferden.

Und dann wurde nicht weiter philosophiert, sondern es ging gemeinsam zum Reitstall, zu „Kassiopeia“, der Reittherapie auf der Karlshöhe. Dort trennten sich dann die verschiedenen Altersgruppen. Während die Erwachsenen wieder zurück in dem Raum zum Gespräch gingen, durften die Kleinen ein Pony putzen und dann mit ihm zum Spielplatz gehen. Auch das Pony trug die Kinder bedingungslos und wir konnten an seinen Ohren beobachten, wie es unseren Gesprächen zuhörte. Es wurde gestreichelt und gefüttert, es war da und hielt geduldig still.

Hingegen die Jugendlichen, sie wurden in Gruppen eingeteilt, bekamen ein Pferd zugeteilt und dann verschiedene Aufgaben gestellt. Alleine oder zu Zweit auf einem Pferd, den Körper des Tieres spüren, sich Dinge getrauen, die man noch nie gemacht hatte, dabei sich selber erfahren und das Selbstbewusstsein stärken, darum ging es in dieser Gruppe.

Ein gemeinsamer Spaziergang aller Familien mit den Pferden rundete den Nachmittag ab, - und was geschah da alles? Erwachsene saßen zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem Pferd und vertrauten sich diesen – und den neuen Wegen an. Teilweise führten ihre eigenen Kinder das Pferd. Die Kinder wechselten die Pferderücken und waren meist zu Zweit darauf, sie ließen sich tragen, ruhten sich aus und waren doch zugleich intensiv im Einklang mit der Natur, den Tieren, den anderen Menschen. Es ging um Vertrauen – in sich selbst und in die Gefühle, in die neuen Wege, die gegangen werden müssen.

Der Abschied fiel schwer – und: der Nachmittag, auf den Rücken der Pferde - wird noch lange nachklingen – und war doch ein bisschen Glück auf Erden!

Sabine Horn